"Ich fühlte mich wie Indiana Jones" Bauen & Wohnen/ Mallorca Magazin

Zwei restaurateure richten injahrelanger heimarbeit ein historisches stadthaus her: Can Monroig in Inca entpuppt sich noch viel älter als angenommen.

Zugegeben, von auben macht das haus so viel nich her. Zwar ist es nicht winzig klein, aber von seiner unscheinbaren aubenfront her vermutet kaum jemand einen geräumigen palast dahinter. Weit gefehlt! Wer die steinerne schwelle überschritten hat, ringt nahezu um fassung, angesichts der opulenz, der weitläufigkeit und grÇobe, die das stadhaus in Inca in seinem innern verbirgt. Can Monroig, so der name des gebäudes, ist die wiederentdeckung gelebter architektur, wie sie weit in die geschichte Mallorcas zurückreicht.

Als Marie-Noëlle Ginard und Robert López Hinton das haus 2002 erwarben, hatte es bereits 20 jahre leer gestanden und befanden sich in einem schauerlichen zustand. Durch das undichte dach war regen in das mauerwerk eingedrungen, von der basis her hatte sich ebenfalls feuchtigkeit in den wänden breit gemacht. Die  beiden restaurateure machten sich ans werk, Can Monroig mit viel eissatz herzurichten. Gut fünf jahre arbeit lagen vor Ginard und López. Und unzählige überraschungen, die das haus für sie bereithalten solte.
Denn das paar ging davon aus, ein stadthaus aus dem 17. jahrhundert erworben zu haben. Bei den umfangreichen kaen dann gebäudeelemente zum vorscheiin, die dafür sprechen, dass teile des hauses wesentlich älter sein müssen. "Wir stieben deim abklopfen von altem mauerputz auf einen gotischen bogen", sagt Robert und zeigt auf die steinerne umfassung, die in vier meter höhe einen spitzen winkel bildet. Experten schätzten, dass der bogen auf das frühe 15. jahrhundert zurückgeht: Noch älter ist ein steinerner fensterrahmen unweit der ehemaligen wasserzisterne, der offenkundig aus 14 jahrhundert stammt.



Noelle y Robert en Can MonroigMallorca magazin

Besondere an Can Monroig ist, dass die mauern aus verfestigtem, lehmhaltigen erdreich bestehen, dem kalk zugegeben wurde. Das ist die traditionelle, noch auf die römer zurückgehende variante, zement herzustellen. "Diese bauweise hat diverse vorteile", sagt Robert López, der sich auf antike bautechniken und materialien spezialisiert hat: der kalk gibt dem mauerwerk eine festigkeit und standhaftigkeitDamit nicht genug, entdeckte das paar beim beseitigen der eingezogenen fusböden aus neuerer zeit einen alten brennofen für tonwaren. So, wie dieser gemauert ist, muss er maurischen ursprungs sein, also mindestens aus dem 13. jahrhundert stammen, wenn nicht noch früher.

Dicht neben dem ofen fand das paar einen brunnenartigen schacht. Hier entsorgte der töpfer von anno dazumal seine erdenen warwn, die ihm offenbar misslungen waren. Der schacht war randvoll mit scherben und keramikresten, die das ehepaar gleich archäologischen forschern nach un nach der tiefe entriss und reinigte. "Ich kam mir hier immer wieder vor wie Indiana Jones", schwärmt Robert von den entdeckungen in den eigenen vier wänden.

Das , die jahrhunderte überdauern kann. Das tonhaltige material wiederum ist atmungsaktiv. Das heist, feuchtigkeit und helfen, die raumtemperatur konstant zu halten. "In sommer ist es hier angenehm kühl, im winter wundern wir uns, mit wie wenig holz zum heizen wir auskommen."

Tatsächlich sind es nur zwei schmiedeeiserne öfen, mit denen das gebäude beheizt wird. Und das ist gewaltig gros: erdgeschoss und erstes stockwerk vereinen rund 500 quadratmeter fläche.
Hinzu kommen diverse unterirdische räume, die das ehepaar nach freilegte. Dadurch ist ein eindrucksvolles ensemble auf verschiedenen ebenen entstanden, die über treppenstufen, vorbauten und sogar schwebebrücken miteinander verbunden sind.
Auch bei diesen bauarbeiten stiesen Ginard und López auf ungeahntes: so entdeckten sie gleich zwei verborgene steinkammern, die einst zur weinproduktion verwendet wurden. Die zimmergrosen unterirdischen kavernen sind mit tonnenschweren kalksteinquadern ausgekleidet. Das ehepaar senkte mit einem trupp bauarbeitern eine der wände ab, so dass offene räume entstandem, die num als ausstellungsfläche genutzt werden. Ebenso unerwartet sties das paar auf eine vergessene zisterne, die nun über eine treppe zugänglich ist und einen expressiven, birnenförmigen raum bildet.

Nahezu alle Flächen in Can Monroig sind uneben, und dennoch mit einer glatten Oberfläche verputzt. Kalktünche hellt die Räume auf und sorgt über die Eigenschaften des Baumaterials für ein archaisches wie ebenso angenehmes wohnklima.
Durchbrüche in den mauern und der freigelegte gotische bogen schaffen loftartige freiräume, deren unregelmäsige winkel stellflächen schsffen für kunstobjekte, wie sie Marie-Noëlle Ginard in ihrer freizeit kreiert. Das paar wohntnun schon seit drei jahren in seinem traumhaus in Inca. Jahrelang hatten die hispano französin und der anglo spanier zuvor ein einrichtungsgeschäft in Pollensa betrieben, samt den notwendigen materalien, um herrenhäuser mit antiken wekstoffen zu sanieren.

Bei den kunden sind alte fliesen, balken, türen und behauene steine ebenso gefragt wie neuangerührte mörtel und lehmfarben nach uralten verfahren. Mit auftragsarbeiten dieser art, bei ebenso puritischen wie betuchten hauseigentümern, verdienen Ginard und López ihr geld. Es gibt auf Mallorca leider immer noch zu wenig bewusstein, diese alten kulturgüter zu bewahren und zu pflegen. Es sind meist deutsche, engländer und franzosen, die wert auf fachgerechte sanierung antiker bausubstanz legen, sagta Robert und bittet in die küche. Die möbel metall hat allesamt er entworfen, eine oxid-lackierung lässt die schränke uralt und futuristisch zugleich aussehen. Dann führt López in de patio: Forscher gehen davon aus, dass Can Monroig im mittelalter als einzelnes gebäude in einem garten stand.
Später entwickelte sich dort Incas ältestes stadtviertel, das jüdische wohngebiet "call" und das viertel der maurischen töpfer.

Ein teil des hauses war offenbar einmal eine gasse gewesen, die dann überbaut wurde. Beim freilegen einer ehemaligen ausentüre entdeckte das ehepaar zwei einge-rizte davidsterne. Ein so geschichtsträchtiges haus wie Can Monroig will begangen und bestaunt sein.
So sehen es auch  Ginard und López. Sie wollen das haus als "Showroom" nutzen, als einen hort, an dem architektur, archäologie, design, kunst und kultur zueinander finden; flankiert von besonderen veranstaltungen wie ausstellungen, produktpräsentationen, lesungen, happenings. Die stadt Inca, wahrlich eine schönheit erst auf den dritten blick, wird mit diesem alten/neuen juwel geradezu geadelt.
 
 Alexander Sepasgosarian.

Mallorca Magazin.
04/2010

Artículo del periodista Alexander Sepasgosarian publicado en abril de 2010 en el periódico alemán editado en Mallorca "Mallorca Magazin".

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